Tempelhof braucht ein Theater! - Kolumne von Horst Pillau

Horst PillauDas Theater, gehört eigentlich zu den „Grundnahrungsmitteln“ des Menschen. Kunst und Kultur veredeln den Menschen, sie helfen ihm, Krisen und Probleme gut durchzustehen . 

Die repräsentative Untersuchung einer schwedischen Universität zeigt, dass Theater- und Opernbesucher eine längere Lebenserwartung haben als Menschen ohne Sinn für kulturelle Ereignisse. Das Theater ist also eine Art Lebensversicherung. Und ohne Theater findet auch eine Verrohung der Gesellschaft statt.

Ich denke, Theater bekämpfen allein durch ihre Existenz und Nutzung die Kriminalität. Und der Aufenthalt im Theater ist wesentlich angenehmer als der im Knast. Im Theater kann der Zuschauer für zweieinhalb Stunden seine Sorgen vergessen und manchmal auch bewältigen.

Wir leben in einer bedrohlichen Wirtschaftskrise. Im Theater, zumindest bei heiteren Stücken, hat man aber trotzdem etwas zu lachen. Berlin sollte nicht zu einer Ansammlung von Shopping Centern und Bekleidungshäusern werden. In Bekleidungshäusern wird wenig gelacht, es sei denn, man macht ein Schnäppchen oder man probiert einen zu engen Anzug an.

Ohne Theater verödet die Stadt. Theater nützen Berlin viel mehr als der dürftige Slogan „Be Berlin“. Theater sind Anziehungspunkt und Aushänge-schild für Berlin und locken allein durch ihre Existenz Touristen an – das kommt auch den Bezirken zugute.

Tempelhof stünde ein eigenes Theater gut an, auch mit Blick auf seinen großen Nachbarbezirk, denn die Neuköllner Oper wird nicht nur von den Berlinern angenommen, sie hat sich auch über-regional einen Namen gemacht. Ein Theater in Tempelhof könnte sowohl Experimentierbühne als auch Boulevardtheater oder beides sein. 

Theater ist Lebensextrakt. Daseinskonzentrat. Es hilft der Erkenntnis über die eigene Befindlichkeit. Aus meiner Sicht lassen sich sogar Ernst und Heiterkeit vereinen, man denke an Autoren wie Shakespeare oder auch Tabori. Humor hilft, Konflikte besser zu lösen. Lachen hilft, Stresshormone ab- und Glückshormone aufzubauen. Nicht nur Gelotologen, also Lachforscher, sagen: Lachen ist gesund. Es hilft, die Stoffe im Blut zu vermehren, die der Abwehr von Krankheiten dienen. Krankenkassen aufgepasst: Theater erspart oftmals Arzt und Krankenhaus. Für einen Theaterbesuch  braucht man keinen Krankenschein, es wäre aber gut, man kriegte einen dafür.

Und auch die Seele profitiert vom Lachen!

Lachen ist eine große  Kunst. Es erfordert Mut, sich preiszugeben, einfach loszulachen, sich nicht hinter einer Maske oder einem Pokerface zu verstecken. Im Theater kann man nicht zappen. Theater erfordert Konzentration. Theater verbindet.
Ich bin, nach fünfzig Jahren als Theaterautor, immer noch ein begeisterter Theatergänger und Zuschauer. Theater schafft Beziehungen und es erhält auch abgeschlaffte Ehen: nach der Vorstellung hat man ja wieder etwas zu diskutieren. Theater bringt Einsichten und erzeugt elementarste menschlichen Regungen: Lachen und Weinen.

Tempelhof braucht (s)ein Theater! Über die Wahl des Standortes kann ich, als Schöneberger, keine Vorschläge machen, das wissen die Tempelhofer selbst am Besten, und es gibt bestimmt Alternativen.  

Ich wünsche mir aber den gemeinsamen Willen, die Initiative, die Subventionen, die Spendenfreudigkeit und die Aktivität von Menschen, wie etwa Didi Hallervorden in Steglitz, ein neues Theater zu schaffen. In Berlin werden mehr als genug Theater geschlossen.

Alles Gute und viel Kraft dafür!

Horst Pillau
 

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