„Spukvilla“ – ein geistreicher Ort

Die „Spukvilla“ – ein besonderer, schon fast mythischer Ort in Tempelhof mit einer ungewöhnlichen Geschichte: Hier versteckte die Armee Napoleons 1812 nach der verlorenen Schlacht von Großbeeren ihre Kriegskasse.

Russische Panje-Pferde grasten 1945 nach dem Einmarsch der Roten Armee in Berlin auf dem Gelände, die tradionsreiche Tempelhofer Schokoladenfirma Walter hatte dort zeitweise ihre Produktionsstätte. 1985 wurde der markante Fachwerkbau vom Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Berlin erworben und ist zugleich der Sitz des Kreisverbandes Südwest der AWO Berlin.

Seit März 2007 finden in der Spukvilla die Ohrenschmaus-Lesungen der Buchhandlung Menger statt. Ein passender Ort für geistreiche Texte und Autoren.

An diesem besonderen Ort werden künftig die Redaktionsräume des „Te-Damm-Magazins“ sein.

SpukvillaIhren Namen erhielt die „Spukvilla“, als bei Umbauarbeiten im 19. Jahrhundert neben Gebeinen, Waffen und Uniformen französischer Soldaten auch ein ganz besonderer „Schatz“ gefunden worden sein soll - Napoleons Kriegskasse. Während der Befreiungskriege 1813 sollen französische Gardesoldaten - auf der Flucht vor der preußischen Armee unter General von Bülow - auf der ehemaligen Landstraße nach Großbeeren (heutige Werderstraße) an dem 1782 erbauten Fachwerkhaus vorbeigezogen sein und den Schatz dort versteckt haben. Dort sollen sie auch gefallen sein. Beim Rückzug der Franzosen aus Berlin verblieb die Kriegskasse in Tempelhof und blieb bis zu der Renovierung 1865 unentdeckt.

Seit dieser Zeit sollen die Geister der französischen Soldaten - die Marseillaise auf den Lippen - auf der Suche nach dem inzwischen verschollenen Beuteschatz sein. Dieser Spukmythos hält sich hartnäckig und wurde so allmählich namensgebend.

Holger Wettingfeld

Spukvilla
Albrechtstraße 110, 12103 Berlin