Wahnsinn! Madness verwandeln C-Halle in "House of Fun"

Hey You! Don't watch this! Watch that! This is the heavy heavy Monster Sound...!  Wer kennt nicht dieses ominöse Intro des Madness-Klassikers "One Step Beyond", dem dann ein musikalisch-circensischer Sog folgt, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Die Madness-Hymne war dann auch der passende Beginn für das Konzert der britischen Ska-Band, die am 11. Mai, im Rahmen ihrer Europa-Tournee, in der C-Halle auftraten. 2009 erschienen nach über zehn Jahren ihr neues Album The Liberty of Norton Folgate.  Der Auftritt der neun Engländer, die in den 80ern zu den stilistischen und musikalischen Ausnahmen und positiven Überraschungen zählte, wurde aufgrund der großen Nachfrage von Huxley’s Neuer Welt nach Tempelhof verlegt.

In voller Besetzung mit vier Bläsern sorgten Madness bei fast ausverkauftem Haus für sehr gute Stimmung. Unkaputtbare Pop-Perlen wie „Our House“, „Embarrassement“ oder „My Girl“ wurden frenetisch vom Publikum bejubelt. Der typisch-vertrackte Ska-Rhythmus mit seinen treibenden Bläsersätzen war der geeignete Treibsatz für ein enervierendes Konzert. Lediglich bei neueren Songs vom aktuellen Album kam es zu kleinen Stimmungseinbrüchen.

Madness – der Name war von Anfang an Programm: Ende der 70er Jahre im Tristesse der Thatcher-Ära machten die Musiker mit ihrenn Frontmänner Graham McPherson und Suggs dort weiter, wo die britische Anarcho-Humor-Truppe Monthy Python zuvor begonnen hatte. Dem „Ministry of Silly Walks“ setzten sie Plattencover mit ihrem Markenzeichen den „baggy trousers“ (weiten Hosen) entgegen. Dieser schrägen Form britischen Humors wurde mit dem „nutty sound“ ein passender Inhalt verpasst, der zum Markenzeichen werden sollte: Treibende, packende Songs mit witzigen, selbstironischen Texten und Videos im Gewand der Ska-Musik.

Das Rezept ging auf: Madness wurden bis zur Trennung 1986 eine der erfolgreichsten und ungewöhnlichsten Bands der 1980er Jahre. Die ersten 20 Madness-Singles erreichten alle die Top 20 der britischen Charts- ein Erfolg, den noch einmal die Beatles vorweisen können.

Ende 2002 wurde das Madness-Musical „Our House“ in London uraufgeführt und gewann ein Jahr später den Laurence Olivier Award für das beste neue Musical.

 

Auch wenn Madness, wie auch ihre Fans, selber etwas in die Jahre gekommen sind, viele Songs bleiben zeitlose Klassiker und überzeugen, wie man auf dem Konzert sehen konnte, auch neue Generationen - „It Must Be Love“.

Holger Wettingfeld