Gedenkort für Konzentrationslager „Columbiahaus“ auf Tempelhofer Feld

Der Flughafen Tempelhof ist nicht nur die „Mutter aller Flughäfen“, zur Historie dieses geschichtsträchtigen Ortes gehört auch das erste Konzentrationslager des NS-Regimes, das sogenannte „Columbiahaus“. Das dieser besondere Aspekt nicht in der Planungseuphorie zum Tempelhofer Feld untergeht, darauf hat das Berliner Abgeordnetenhaus am 14. Juni 2011 mit einem Parlamentsbeschluss hingewirkt. Das Landesparlament fordert für das Konzentrationslager „Columbiahaus“ die Einrichtung eines Gedenk- und Informationsortes auf dem Tempelhofer Feld. In dem Antrag der SPD wird der Senat aufgefordert, „bei der Entwicklung des stillgelegten Tempelhofer Flughafens an eines der ersten nationalsozialistischen Konzentrationslager im Columbia-Haus zu erinnern“.

In dem KZ waren von 1933 bis 1936 mehr als 8.000 Regimegegner inhaftiert, darunter auch das KPD-Mitglied Erich Honecker oder der spätere stellvertretende Chefankläger der Nürnberger Prozesse, Robert Kempner. Das KZ wurde 1936 in Folge des Ausbaus des Flughafengeländes abgerissen und in Sachsenhausen neu aufgebaut. Das Columbiahaus gilt als Prototyp für die KZ des NS-Regimes. Aus den Wärtern wurden spätere KZ-Lager-Kommandanten. 1994 enthüllte Klaus Wowereit, als Tempelhofer Kulturstadtrat, das Mahnmal des Künstlers Georg Seibert. Die damaligen Alliierten verweigerten auf dem Flughafengelände ein Ort des Gedenkens und so steht das Mahnmal bis heute auf der Kreuzberger Seite des Columbia-Damms (Foto). „Wir begrüßen die Entscheidung des Abgeordnetenhauses“, so Beate Winkler, Vorsitzende des „Vereins zur Förderung für ein Gedenken der Naziverbrechen auf dem Tempelhofer Feld e.V.“ Gleichzeitig fordert der Verein den Senat auf, aus diesem Beschluß weitere Konsequenzen zu ziehen, und die  Grünflächen im Flächennutzungs- und Masterplan als Gedenkflächen festzuschreiben.

Der Verein besteht seit 2010. Weitere Informationen auch zu aktuellen Ausstellungen und Veranstaltungen unter  www.thf33-45.de.

Zum Weiterlesen: Kurt Schilde und Johannes Tuchel: Columbiahaus. Berliner Konzentrationslager 1933-1936, Hentrich 1990 

Holger Wettingfeld