Eckener-Gymnasium: “Rockmusik” macht Schule

Eine Klasse – fünf Bands

Sie sind zwischen zwölf und 13 Jahre alt. Sie sind zum ersten Mal auf der Bühne. Sie sind Rockmusiker. Ihre Bands heißen „Icebreakers“ und „Starcocktail“. Sie? Das sind die Mädchen und Jungen der Eckener-Youngsterbandklasse 7LF.

„Na nana na na na na na na“ ist der treibende Rhythmus des Songs „Lands of thousand dances“, den die „Icebreakers“ zum Besten geben.

Seit September 2010 sind 31 Kinder im dritten Jahrgang der Youngsterbandklasse. Das Prinzip ist einfach und stammt aus der „Offenen Jazz Haus Schule Köln“: Von Anfang an spielen die Bandmitglieder zusammen Songs, probieren sich an den „klassischen“ Rockinstrumenten Drums, Gitarre, Bass und Keyboard aus oder übernehmen den Gesangspart.

Das Musikprojekt, 2009 an der Eckener-Oberschule umgesetzt, unterstützt den normalen Musikunterricht. Monika Stocksmeier, Instrumentallehrerin und Vorsitzende von YoungsterBandBerlin: „Das ist ein gemeinnütziger Verein, den haben wir gegründet, mit Eltern, Instrumentallehrern und Frau Nippe als Schullehrerin, um eine Organisationsform zu haben, die in der Schule den Musikunterricht ergänzt, erweitert, bereichert ...

 

Die „Icebreakers“ sind eine multikulturelle Jungsband. Felix und Deniz, die Leadsänger, eifern dem amerikanischen R&B-Sänger Wilson Pickett nach, der mit dem Rockklassiker 1966 die amerikanischen Charts stürmte. Keyboarder Anis Mahmud begeistert mit seinem Solo, Nicholas und Thiemo haben ihre Gitarren voll im Griff, Paul an den Drums gibt den Takt vor, während Noel den Bass wummern lässt.

Der Unterricht der Youngsterbandklasse wird im Team von fünf Instrumentalfachlehrer/innen des Vereins und einer Schulmusiklehrerin erteilt. Die Schülerinnen und Schüler werden in fünf Bandgruppen eingeteilt, musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Doch ganz ohne Verpflichtung geht es nicht. Monika Stocksmeier: „Die Eltern müssen sagen, dass sie das Instrument anschaffen, und die Kinder müssen zusagen, dass sie zu Hause üben und auch in der Gruppe musizieren wollen. Das ist nicht so eine Einzelkämpfersache, sondern sie müssen sich darauf einlassen, das mit anderen zusammen zu machen. Für zwei Jahre.“

Zwischen Sommer- und Herbstferien haben die Mitglieder der neuen Bandklasse zwei Instrumente pro Woche kennen gelernt, probieren aus, was ihnen am meisten liegt und entscheiden sich dann für ihren Part in der Band. Rund sieben bis acht Stunden nehmen sich anschließend alle Lehrerinnen und Lehrer Zeit, die fünf Bands pro Klasse zusammenzustellen.

Geübt wird dann zu Hause, das  gilt auch für die Schlagzeuger. Sie sind die einzigen, die sich kein Instrument kaufen müssen, denn „man kann mit den Sticks auf einem Telefonbuch die Schlagfolgen üben“, meint Schlagzeuglehrerin Monika Stocksmeier. „Man kann sich auch mit Mutters schlechtem Töpfen was bauen, wo man draufhaut.“ Und Schulmusiklehrerin Katja Nippe ergänzt: „Schlagzeuger finden immer ‚ne Möglichkeit, Lärm zu machen.“

In drei Musikstunden pro Woche lernen die Youngster das Handwerkszeug, dass Rockmusiker brauchen. Katja Nippe: „... eine Stunde Instrumentalunterricht, eine Stunde in den Bands mit den Instrumentallehrern und eine ganz normale Stunde Musikunterricht in der Woche, im Musikraum oder Klassenraum, wo ich mit ihnen Theorie mache oder Instrumentenkunde, oder wo wir die Bandprojekte vertiefen.“

In der achten Klasse schreiben die Jugendlichen ihre eigenen Stücke. Sie denken sich die Themen aus und lernen in Workshops mit Songwritern, ihre Ideen musikalisch und textlich umzusetzen, Harmonien einzubauen und den  richtigen Rhythmus zu finden.

Die jungen Musikerinnen und Musiker mögen ihre Bands. Trotzdem knallt es ab und an, denn auch eine Bandklasse kommt in die Pubertät und „kann den Unterricht gut auseinandernehmen“, meint Katja Nippe, „ aber dann geht man mit ihnen in den Musikraum und lädt seinen Akku wieder auf – und das ist das Schöne. Also, es hat was Versöhnliches.“

 

Mehr als Musik

Fest in weiblicher Hand ist die zweite Klassenband des Abends. Souverän begrüßt Marie von „Starcocktail“ das Publikum, während Jenny erste Bassläufe spielt. Drummerin Helena zählt an, Salih groovt am Keyboard, Max an der Gitarre. Mit vollen Stimmen steigen Laura-Maria, Marie und Darlene beim „Boulevard of Broken Dreams“ ein –und bewegen sich so sicher und selbstverständlich auf der Bühne, als hätten sie es von kleinauf geübt.

Junge Bandtalente, die noch keine Bühnenerfahrung haben, können sich auf die kommende Probenfahrt freuen. Katja Nippe: „ Da werden wir alle Instrumente mitnehmen. Außerdem kommt eine Lehrerin unserer Schule mit, die Schauspielerin ist, die übt mit ihnen Bühnenperformance.“ Und das sind die nicht einzigen Extras. Im Frühjahr wird es einen Songtextworkshop und einen Beatboxkurs geben, zum Ende des Schuljahres nehmen die Bandklasse eine CD auf und kurz vor den Sommerferien findet das große Sommerfest statt.

 

Zwei Jahre dauert die Bandklasse, die bis auf die zusätzliche Musikstunde ganz normalen Schulunterricht hat. Doch was ist mit den Neuntklässler/innen, die weiter in der Band spielen wollen? Monika Stocksmeier: „Die Kinder, die dann weitermachen wollen, können in die AG gehen oder ins Café Albrecht, um in eigener Regie zu proben. Dort gibt es Proberäume.“

Die zeitliche Begrenzung des Musikprofils hat – wie so vieles im Bildungsbereich – finanzielle Gründe. Das Projekt wird zwar von der Schulleitung gefördert, doch um die professionellen Musiker und Musikpädagogen bezahlen zu können, sind auch die Eltern gefragt - mit 25 Euro im Monat und der Anschaffung des Instruments, für das sich Tochter oder Sohn entschieden haben. Nichtsdestotrotz ist die Nachfrage nach Plätzen in der Bandklasse groß. Der Verein schafft es kostendeckend zu arbeiten. Mit mehr Spenden könnte es sogar möglich sein, Kinder in die Bandklasse aufzunehmen, deren Eltern den Monatsbeitrag nicht zahlen können.

 

Die Band „Starcocktail“ hat ihren Auftritt gut über die Bühne gebracht. Das Publikum klatscht begeistert, die Musikerinnen und Musiker verabschieden sich mit Lachen und Winken – vom Boulevard der ungebrochenen Träume ...

YoungsterBandBerlin e.V. sorgt für gute Noten – nicht nur musikalisch gesehen. Deswegen freut sich der gemeinnützige Verein über eine Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik, Kultur oder Wissenschaft, die die Schirmherrschaft übernimmt. Informationen und Kontakt über: info@youngsterbandberlin.de

Katrin Schwahlen