"Berlins Woodstock" in Tempelhof - Interview mit Cornelius Opper, Mit-Veranstalter des Berlinfestivals

Vom 7. bis 8. August findet zum vierten Mal das Berlinfestival statt - zum ersten Mal wird dabei der ehemalige Flughafen Tempelhof zum Open AirPort: 30 Bands und über 50 DJs sorgen zwei Tage lang für ein Konzertereignis der Superlative. Im Vergleich zu anderen Rockfestivals, spiegelt dieses Event eine musikalische Breite wider, die für Berlin typisch ist. Das Line-Up bewegt sich zwischen Indie- und Elektrobeat mit einer besonderen Mischung von deutschen und englischen Musikhelden, wie z.B. Deichkind.
Mit Jarvis Cocker und Peter Doherty konnten die Macher des Berlinfestivals attraktive Hauptacts jenseits des Britpop-Mainstream einladen. Grund genug, mit einem der Veranstalter, Cornelius Opper, ein Interview zu führen, denn: „Tempelhof hat Zukunftspotential“.

Te-Damm Magazin: Am 15.8. feiert die Welt 40 Jahre Woodstock – eine Woche zuvor öffnet zum vierten Mal das Berlinfestival seine Pforten, gibt es da einen Zusammenhang im Konzept?
  
Cornelius Opper: Woodstock wird immer die „Mutter aller Festivals“ und der Flughafen Tempelhof wird ja von dem Stararchitekten Sir Norman Forster auch als „Mutter aller Flughäfen“ genannt, von daher gesehen, gibt es da schon einen Zusammenhang. Natürlich ist Woodstock eine große Inspiration und Bild seiner Zeit. Wir wollen mit dem Berlinfestival ein Festival für Berlin und die Berliner machen, aber auch natürlich international wahrgenommen werden. 
Aber wir haben die vierte Ausgabe von dem Festival, also die „4“ steht schon mal, aber für ein 40-Jahr-Festival, das wäre doch zu weit gegriffen.

Te-Damm Magazin: Welche Zielgruppe wollt Ihr ansprechen?

Cornelius Opper: Wir sind ein junges Festival, wir wollen natürlich auch die jungen Leute ansprechen, aber auch die Leute „unserer Generation“, also die 30 – 40jährigen, also Musikliebhaber.Es ist gut, wenn man eine gute Mischung hat, die generationsübergreifend ist. Wir haben auch immer neue Musik dabei, aber auch „alte Helden“ im Programm. Im ersten Jahr 2005 starteten wir mit Ian Brown als headliner, auch die „Undertones“ waren bei uns. Jetzt haben wir Jarvis Cocker und St. Etienne, auch Bands, die eigentlich auch eher die 90er Jahre geprägt haben. Insofern ist es diese Mischung von neuer Musik, die man neu entdecken kann, wofür das Festival auch steht. Ich denke, das spricht alle Generationen an und die musikalische Breite zwischen Indie und Elektro, ist auch etwas wofür Berlin steht. Das wollen wir widerspiegeln. Wir wollen dem Namen Berlinfestival auch gerecht werden und Berlin, wie es leibt und lebt, repräsentieren.  
  
Te-Damm Magazin: Mit wieviel Zuschauer rechnet Ihr?

Cornelius Opper: Wir haben gesagt: 10.000 Besucher wären etwas, was man anstreben könnte. Vielleicht sind es auch etwas weniger. Aber auf jeden Fall werden wir uns im vierstelligen Bereich bewegen. 
Wir sind guter Hoffnung. Der Vorverkauf läuft gut, aber die Berliner entscheiden sich oft relativ spät! Es ist ja ein städtisches, urbanes Festival und da wird auch mal an der Abendkasse entschieden. Das tolle an Tempelhof ist, das wir wetterfest sind. Auch wenn es mal ein Regenschauer gäbe, gibt es das große Vordach und den Hangar. Da sind wir auch regenfest. 
Das Publikum wird im Trockenen stehen. Wo gibt es sowas, das man ein wetterfestes Festival hat. 

Te-Damm Magazin: Es fällt auf, daß Ihr von Mal zu Mal mehr von der Peripherie ins Zentrum rückt. Wie kamt Ihr auf den Tempelhof Flughafen als Location?

Cornelius Opper: Das Festival hat 2005 vor den Toren Berlins in Glien bei Spandau begonnen. 2007 sind wir dann nach Moabit gegangen, ins alte Poststadion. Da haben wir schon gemerkt, Berlinfestival gehört nach Berlin, da hat es auch seine Qualitäten. Im Poststadion war es 2008 leider nicht mehr möglich, deshalb mußten wir ein Jahr pausieren. Das war aber eine kreative Pause, wo wir jetzt mit neuen Partnern, Melt Festival und Intro, starten wir neu durch. Um so schöner, das wir dann den Flughafen Tempelhof nutzen dürfen. Das ist für uns und für ganz Berlin eine fantastische Location mit einer eigenen Historie. Da sind wir uns auch der Verantwortung bewußt. Für uns ist es eine große Ehre das Berlinfestival hier veranstalten zu können. Tempelhof ist ein toller Bezirk mit Zukunftspotential!

Te-Damm Magazin: Das hören wir gern. Auf wieviel Bühnen spielt Ihr?

Cornelius Opper: Auf zwei Bühnen. Eine Hauptbühne, die sich im Hangar befinden wird und eine Nebenbühne im Open-Air-Bereich. Zu späterer Stunde wird es dann aber auch Dance-Floors im Restaurant geben. Die Location bietet unglaubliche Möglichkeiten, diese Qualität wollen wir natürlich auch ausspielen und inszenieren.  

Te-Damm Magazin: Beim Line-up fällt die gute Mischung von englischen und deutschen Bands auf. Das ist ein besonderes Merkmal des Berlinfestivals. Jetzt habt Ihr dieses Jahr den britischen Skandal-Rocker Pete Doherty als einer der Hauptacts. Ist das – jenseits seiner musikalischen Qualität- nicht ein Wagnis ihn einzuladen?

Cornelius Opper: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Wir haben uns über ihn gefreut, weil er als Musiker auch einen hohen Status genießt und ein würdiger headliner ist für den Freitag. 

Te-Damm Magazin: Aber er tritt alleine auf, ohne seine Band den „Babyshambles“?
Heißt er darum auch „Peter“ und nicht „Pete“ Doherty?

Cornelius Opper: Genau! Er tritt als Peter Doherty auf. Wir haben auch schon deswegen Anrufe bekommen, wir hätten seinen Namen angeblich falsch gedruckt. Letztens rief sein Tourmanager an, wir hatten schon Schlimmstes erwartet, aber er wollte nur ein dritten Gästelistenplatz. Wir deuten das als Bescheidenheit und als positives Zeichen, das er tatsächlich kommen wird.
Dasselbe gilt für Jarvis Cocker, der ein exklusives Deutschland-Gig gibt. Da sind schon große Namen dabei. Leider mußte José Gonzales wegen Krankheit absagen. Das bedauern wir sehr.

Te-Damm Magazin: Habt ihr schon Pläne für nächstes Jahr? 

Cornelius Opper: Wir würden uns freuen, wenn wir auf dem Flughafen Tempelhof bleiben könnten, wir bekommen da auf tollen Support von der BIM, Berlin Immobilien Management GmbH, und haben auch eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden. Es soll ja auch nicht nur ein Fest für ganz Berlin sein, sondern auch für ganz Tempelhof. Das alle sich freuen, daß man so was dort gestalten kann. Ich sehe es als großen Input, als große Chance. Ich hoffe, dass da alle an einem Strang ziehen werden und man gemeinsam für den Stadtteil Tempelhof aber auch für die Stadt Berlin aufbauen kann. Und ich denke, eigentlich, sollte das was Tolles für alle sein. So ein Festival braucht auch die Unterstützung vor Ort. Wir wollen alle mit ins Boot holen, heißen alle herzlich willkommen, das Festival zu besuchen  

Te-Damm Magazin: Gibt es Auflagen vom Bezirksamt z.B. wegen des Lärms?

Cornelius Opper: Natürlich gibt es Auflagen, die werden wir auch einhalten.
Wir werden abends vor allem die Innenräume nutzen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es zu Unannehmlichkeiten bei den Anwohnern kommen wird, aber wenn doch,, dann hoffen wir auf den Dialog mit den Anwohnern. Wir sind ganz offen und hoffen, dass wir uns da aufeinander zubewegen. Wir haben Ansprechpartner vor Ort, und werden alles tun, dass hier dann eine schnelle Lösung gefunden wird und sich alle einfach nur wohl fühlen. 

Te-Damm Magazin:Werden MTV oder VIVA vor Ort sein und berichten?

Cornelius Opper: Es ist uns gelungen, MTV für die Sache zu begeistern. Es laufen Trailer auf MTV und MTV wird auch vor Ort sein. Wenn nicht live, doch dann zumindest in Beiträgen von der Veranstaltung berichten. Wir freuen, uns daß wir von dieser Seite Zuspruch bekommt, zeigt es doch, das man es geschafft hat. 

Te-Damm Magazin: Habt Ihr da schon für nächstes Jahr Favoriten für ins Auge gefaßt als Hauptact?

Cornelius Opper: Da kann ich nur meinen Wunsch mitteilen. Einer meiner Favoriten wäre Radiohead. Man ist ja auch als Veranstalter auch Fan und freut sich, wenn man einen persönlichen Helden an Land ziehen kann. Da steht man wie alle anderen im Publikum und feiert mit. Ich hoffe, daß uns das dieses Mal auch gelingt, daß man bei aller Organisation, auch mit allen anderen genießen können. 

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für das Berlinfestival!
Das Interview führte Holger Wettingfeld

Das Berlin Festival auf einen Blick:
Was: Berlin Festival 2009
Wo: Flughafen Tempelhof
Wann: 07. - 08. August 2009
Einlass: Freitag, 07.08. ab 16:00 Uhr bis 06:00 Uhr Morgens
Samstag, 08.08. ab 15:00 Uhr bis 07:00 Uhr Morgens (After-Hour bis 12:00 Uhr Mittags)

Weitere Infos unter: www.berlinfestival.de 

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