„Tempelhof“ klingt gut – „Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel überzeugt mit Solo-Album

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg sollte Sebastian Krumbiegel danken für seine positive Werbung, die er deutschlandweit mit seinem hörenswerten Solo-Album „Tempelhof“ macht. Der stillgelegte Flughafen, in dessen Candy-Bomber-Tonstudio das Album produziert wurde, wurde zum Namensgeber des Albums. „’Tempelhof’ hat einen schönen Klang“, verriet die Stimme der Prinzen in einem Interview mit dem „Te-Damm Magazin“.Mit seinem mittlerweile dritten Album gelingt dem Prinzen-Frontmann ein Befreiungsschlag aus dem Prinzen-Korsett.

Das Ergebnis kann sich hören lassen: Die 13 Songs, die er mit seiner Band, den „Feinen Herren“ in Tempelhof eingespielt hat, sind derzeit das Beste aber auch das politischste was in der deutschen Musikszene zu hören ist. Hier singt einer Klartext ohne zu moralisieren und ohne erhobenen Zeigefinger.

Mit „Tempelhof“ profiliert sich der 43jährige Sänger als eigenständiger Musiker und Songschreiber.  Dabei  entsteht etwas was im anglo-amerikanischen Raum mit „adult rock" oder „progressive rock“ betitelt wird – Musik, die den Zuhörer überrascht und nicht unterfordert.  

Mit dieser Art reflektiertem Rock füllt Sebastian Krumbiegel eine lang verwaiste Lücke zwischen Marius Müller-Westernhagen und Heinz-Rudolf Kunze. Songs wie „Positiv Denken“ oder „Ich verweiger mich“ oszillieren zwischen Ironie und echter Botschaft. Es hängt vom Betrachter und dessen jeweiliger Haltung ab. Das ist feines Songwriting. 

Andere Songs funktionieren auf mehreren Ebenen. Mit „Es wird wärmer“ hat der Prinzen-Frontmann scheinbar das ultimative Durchhalte-Lied für diesen langen und kalten Winter komponiert, aber der Song thematisiert „eigentlich das Überwinden der sozialen Kälte in Deutschland“, erläutert der politisch engagierte Leipziger, der sich seit Jahren aktiv gegen rechte Gewalt einsetzt.

  Aber auch musikalisch überzeugt das Album. Die „Feinen Herren“, bestehend aus den Musikern Max Fetzer (Gitarre), der mit seiner Lapsteel-Guitar sphärisch schwebende Sounds kreiert, Stephan Schulz (Bass) und Thomas Fietz (Schlagzeug), schneidern für „Tempelhof“ passende Soundgewänder, die sich einerseits beatlesk andererseits aber auch rockig treibend oder soulig präsentieren. Dazu gesellt sich bei einigen Stücken kein geringerer als Helmut Zerlett. Deutschlands wohl prominentester Pop-Organist, vor allem bekannt durch sein Engagement bei der „Harald Schmidt Show“ und „der beste Organist seit Billy Preston“, weiß Sebastian Krumbiegel. Zerlett fügt vielen Tempelhof-Kompositionen eine charakteristische Soundnote hinzu.

   

"Tempelhof" besitzt noch eine weitere Besonderheit: Ähnlich wie seine musikalischen Vorbilder, den Beatles, nahm Sebastian Krumbiegel mit seiner Band die Stücke zeitgleich und mit analogem Mischpult auf - unter Verzicht digitaler Bearbeitung. Das Ergebnis ist ein sehr warmer, organischer Sound, der diese Produktion auszeichnet.

Möglich wurde dies durch eine Besonderheit des Candy-Bomber-Studios, dessen Herzstück das legendäre „München-Paris „-Mischpult bildet. Mit diesem 32-Spur-Gerät wurden schon die Rundfunkaufnahmen Herbert von Karajans abgemischt. Weltweit sind nur noch fünf Exemplare im Einsatz, darunter auch in den berühmten Abbey Road- Studios in London

Leider gibt es auf „Tempelhof“ keinen gleichnamigen Titelsong. „Wir kamen mit dem fertigen Material ins Studio und spielten es innerhalb einer Woche ein“, so Sebastian Krumbiegel. Aber die Aura des Produktionsortes habe ihn zu diesem Titel verleitet.

Ein echter Tempelhof-Song würde den Musiker hingegen schon reizen. „Beim nächsten Album“, so Sebastian Krumbiegel im Gespräch mit dem Te-Damm Magazin.

Ob „Tempelhof“ auch in Tempelhof live zu hören sei, verriet Sebastian Krumbiegel ebenfalls:“ Ich würde gerne ein Konzert im November in der ufaFabrik geben“. Das ganze Interview wird in der nächsten Printausgabe des Te-Damm Magazins veröffentlicht, das Ende März erscheint.

Wer nicht so lange warten möchte, kann „Tempelhof“ von Sebastian Krumbiegel und den „Feinen Herren“ schon am 23.3. im bislang einzigen Berlin-Konzert im Frannz-Club sehen und hören.

 Fazit: Ein exzellentes, hörenswertes Album! Mehr davon, Sebastian Krumbiegel!

 Weitere Infos unter: www.sebastian-krumbiegel.de

 Holger Wettingfeld